Aufbau der Stadt

Das in Kantone aufgeteilte Bosnien hat etwas mehr als 3.5 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Sarajevo, abgeleitet vom osmanischen Namen Saraybosna, und hat mit ihren umliegenden Gebieten knapp 600.000 Einwohner. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Muslime, zweitgrößte Gruppe bilden katholische Kroaten, gefolgt von orthodoxen Serben. An dieser Aufteilung erkennt man bereits die multi-ethnische Struktur. Das spiegelt sich in der osmanischen Altstadt von Sarajevo, genannt Bascarsiya wider. Kirche, Synagoge und die Moschee sind im Umkreis von wenigen Metern. Das wurde im Osmanischen Reich so genehmigt und wünscht man sich auch heute. Die Stadt ist durch eine Markierung auf dem Boden “getrennt”. Während sich im Osten die osmanische Altstadt befindet, hat man im Westen das moderne Stadtzentrum. Als drittes gibt es etwas außerhalb der Stadt einen sowjetisch geprägten Stadtteil.

Sarajevo ist sehr überschaubar und zieht sich von Westen nach Osten hin in die Länge. Inmitten von Wald sieht man auf drei Seiten Häuser auf den Halbhöhenlagen. Bosnien insgesamt ist sehr grün mit vielen bergigen Wäldern. Mich erinnert das etwas an die Schweiz. An Stelle des Kirchturms ragt hier eben die Minarette in die Höhe.

Jugoslawien-Krieg

1984 fanden hier noch die Olympischen Winterspiele statt. Dennoch wird Bosnien in meiner Generation lediglich mit dem Jugoslawien-Krieg assoziiert. Und tatsächlich, auch 20 Jahre nach Kriegsende sieht man Einschusslöcher an fast allen Gebäuden. Es ist eigentlich unfassbar, was sich hier noch vor kurzer Zeit ereignet hat. Menschen sind zwar höflich und hilfsbereit, doch glücklich wirken sie nicht wirklich. Man spürt also die Nachwirkungen des Krieges auch heute noch. Teilweise begegnen Frauen ihren Peinigern regelmäßig im Alltag.

Alle Welt hat zugesehen, wie Sarajevo 4 Jahre lang durch Serbien von der Außenwelt abgeschnitten und bombardiert wurde. Als man die Serben zum Rückzug zwingen konnte, kam von den USA die Order, sie nicht weiter zu verfolgen und den Krieg zu beenden. UN-Soldaten aus den Niederlanden schreiben abwertige Parolen über Bosnierinnen, zu deren Schutz sie eigentlich verpflichtet waren. Beim Völkermord in Srebrenica schauen diese lediglich zu, wie über 8000 Muslime getötet werden.

Ausbruch des Ersten Weltkrieges

Im Juli 1914 wurde hier Franz Ferdinand und seine Gemahlin bei einem Attentat erschossen, was zum Ersten Weltkrieg führte. Zunächst explodierte eine Bombe in der Nähe seiner Kutsche. Anschließend im Rathaus unterbrach er die Rede des Bürgermeisters mit den Worten, dass man in dieser Stadt mit Bomben beworfen wird. Auf der Rückfahrt wurde er und seine Frau dann von einem Serben mit einer Pistole erschossen.

Kulturelles

Es ist ungewöhnlich, blonde Moslems zu sehen. Man erwartet erfahrungsgemäß eher dunkle Hauttypen :-). Musliminnen sind ziemlich modern gekleidet, was ich positiv finde. Auch Frauen im mittleren Alter sind modern gekleidet. Das Zusammenleben zwischen Mann und Frau ist unterschiedlich zur Türkei. Frauen sitzen locker in der Moschee, haben einen eigenen Bereich, der aber nicht mit einem Sichtschutz versehen ist. Auffällig ist, dass die Bevölkerung sehr jung ist, was sicherlich mit dem Krieg zusammenhängt. Englisch wird hier zumindest in der Gastronomie kaum gesprochen.

Vor Ort

Bereits im Mai 2016 hatte ich Sarajevo gebucht, musste aber verschieben, da man mir wenige Wochen zuvor am Flughafen meine Tasche samt Ausweispapieren entwendet hatte. Das Wetter im September war anfangs etwas unbequem, aber die Temperatur nahm dann stetig zu und erreichte angenehme 25°C.

Der Lebensunterhalt ist hier für europäische Verhältnisse günstig. Der Währungskurs ist im Vergleich zum Euro fix. Für 5 Bosnische Mark kann man hier eine gute Mahlzeit zu sich nehmen. Für knapp 2,50 BM gibt es Nachspeise mit Getränk. Spezialität des Landes ist Cevapcici und Börek, was man sich nicht entgehen lassen sollte. In den Highlights habe ich beschrieben, wo diese am leckersten sind.

Am meisten hat mir die knapp 3 km lange Allee gefallen, die zum Ursprung des Flusses Bosnien führt. Man kann hier herrlich die saubere Luft und Ruhe genießen. Weitere interessante Orte sind der Wasserfall in Kravice und kleinere Ortschaften mit Burgen und Moscheen im osmanischen Stil mit herrlichem Blick auf die Landschaft.

Es werden Touren angeboten, manche davon auch kostenlos, wobei man am Ende doch etwas Trinkgeld gibt. Es lohnt sich, solch eine Tour zu machen, da die Stadt schon allein der beiden Kriege wegen viel zu erzählen hat.

Erster Aufenthalt (7 Nächte)

18.09.2016 / IST – SJJ / Turkish Airlines
25.09.2016 / SJJ – IST / Turkish Airlines
Unterkunft: Nice Apartment (außerhalb)

 

Zweiter Aufenthalt (3 Nächte)

31.10.2018 / IST – SJJ / Turkish Airlines
03.11.2018 / SJJ – IST / Turkish Airlines
Unterkunft: Hotel One City Diamond

Sightseeing

    • Bascarsija (Zentrum)
    • Grabmal Izzetbegovic
    • Zuta tabia (Aussicht)
    • Galerija 11/07/95 (Kriegsmuseum)
    • Vrelo Bosna (Ursprung des Flusses)
    • Tunnel
    • Trebevic (Aussicht)

 

In der Nähe

    • Mostar
    • Travnik
    • Igman (Natur)
    • Konjic

 

Essen

    • Pizzeria Ago (Pizza)
    • Buregdzinica Bosna (Börek)
    • Hodzic (Cevapci)
    • Cream Shop (Krema Pita)
    • Marshall’s Gelato (Eiskrem und Nachspeise im Glas)